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Indianer- Ein deutsches Hobby

 

Das Interesse an den Indianern Nordamerikas begann schon sehr früh, lange vor Karl May. Der Blick in Richtung Amerika begann in Deutschland bereits im 17.Jahrhundert, als die ersten Auswanderer nach Amerika aufbrachen. Deutsche Handwerker und Bauern waren während der nächsten 200 Jahre willkommene Siedler und Werber von Auswanderagenturen zogen durch Deutschland, versprachen den Traum von Freiheit, eigenem Land und sozialem Aufstieg oder einfach nur die Möglichkeit zur Flucht vor Hunger und Krieg. Das Interesse an diesem verheißungsvollen Amerika war und blieb groß, auch bei denen die sich nicht trauten auszuwandern oder deren familiäre oder wirtschaftliche Lage sie in Deutschland band. Amerika blieb häufig Traum. Reisebeschreibungen, wie die „Reise in das Innere Nordamerikas“ von Maximilian Prinz zu Wied aber auch andere Reisetagebücher , wie die des Malers Catlin hatten Hochkonjunktur. Autoren kamen durch Romane über Indianer und Fallensteller zu literarischem Ruhm. Als Beispiele sind Karl May, Balduin Möllhausen und Cooper unter anderen zu nennen. Ihre „Edlen Wilden“ entsprachen dem romantischen Geiste jener Zeit. Als es Fernsehen und Radio noch nicht gab, sorgten Zirkusse und Zoos für Unterhaltung. Kein großer deutscher Zirkus kam zu dieser Zeit ohne Indianertruppe aus, ob Sarrasani oder Barum. Zoos veranstalteten Völkerschauen. Buffalo Bill und seine Wild-West-Show gastierte in ganz Europa. Groschenromane von Buffalo Bill oder Billy Jenkins waren überall zu haben und lieferten Traumwelten. Man begann „Wild West“ nachzuspielen, die Shows der Zirkusse waren Vorbild. Nachdem sich „Wild West“-Begeisterte zuerst für Karneval verkleideten, erarbeiteten bald schon Gruppen eigene Showprogramme mit Cowboys, Indianern und Lassoshow.

 

 

 

 

Fastnachts-„Indianer“, Vorder- und Rückseite einer Postkarte gestempelt am 18.3.1908

 

 

„indianisches“ Orchester, Postkarte gedruckt in Leipzig, gelaufen 1911

1913 entstand in München der erste „Cowboy-Klub“ gefolgt vom „Cowboy Club Buffalo“ 1919 in Freiburg und dem „Wild-West-Club“ 1921 ebenfalls in Freiburg. Immer mehr Vereine gründeten sich danach. In Sachsen entstand 1930 der „1. Dresdener Indian- und Cowboy Club Manitou”.

Während der Kriegszeit dachte man nicht an Indianerhobby. Man hatte sich um die essentiellen Dinge des Lebens zu kümmern. Viele der alten Vereinsmitglieder waren im Krieg gefallen oder in Kriegsgefangenschaft. In den 1950er Jahren fanden sich neue Enthusiasten, die sich mit den „Alten“ zusammentaten, die nach und nach aus der Gefangenschaft zurückkamen. In Radebeul gründete sich „Old Manitou“ als der erste Nachkriegs-„Indianerverein“ im östlichen Besatzungssektor neu. Fachliche Beratung und Anregungen gab es vom damals noch lebenden Patty Frank und den Exponaten des Karl May Museums. Zuerst argwöhnisch vom staatlichen System beäugt, schafften es die Radebeuler durch öffentliche Auftritte „geduldet“ zu werden. Direkte Unterstützung gab es von staatlicher Seite nicht, da dem System Menschen suspekt waren, die sich mit dem Klassenfeind beschäftigten. Andererseits galten die Indianer als von den USA unterdrückt.

Durch Ausstellungen der Radebeuler angeregt, fanden sich mehrere Interessengruppen in der DDR und neue Vereine wurden gegründet.

Seit den 1960er Jahren gab es die ersten größeren Treffen, die „Ost“-Councils. Dies waren gemischte Treffen mit abendlichen Saloonbesuchen, bei denen „Indianer“ nicht sonderlich gern gesehen waren. Also war Indianerhobby nur bis nachmittags angesagt und die „Indianer“ beschlossen eigene, „Saloonfreie“ Treffen zu organisieren. Die „Week“ fand das erste mal 1973 statt. Man packte all seine Hobbysachen auf einen Leiterwagen, fuhr damit zum nächsten Bahnhof und los gings. Je näher man seinem „Week“-Ziel kam, desto mehr füllte sich der Zug mit „Indianern“. Am Zielbahnhof angekommen, wanderte die ganze Meute dann mit Sack und Pack zum Gelände.

In der ersten Zeit waren Bücher und anderes Informationsmaterial knapp und so wurde getüftelt. Tipis wurden aus der Plane, einem Holzreifen oder Rad und Stangen aufgebaut. Drinnen standen meist Campingliegen. Bastelmaterial zu organisieren, war eine Kunst für sich.

Nach der Wende änderte sich auch das Indianer-Hobby total, da plötzlich alles verfügbar war, von dem man vorher nur träumte. 1991 wurde der Indianistikbund als Dachverein der „ostdeutschen“ Indianervereine gegründet. Heute nehmen jedes Jahr zwischen 900 und 1000 Menschen an der „Week“ teil. Davon sind ungefähr 600 Erwachsene und 300 Kinder.

Jeder der Teilnehmer hat eigene Beweggründe, an diesem oder anderen Treffen teilzunehmen. Für  Manche ist das Nachleben und Nachempfinden der alten Zeit der Bisonjägerkultur Hauptgrund, der Austausch von Ideen, dem Vorzeigen neu entstandener Kleider, dem Anschauen anderer Teil-Interessensgebiete, wie den „Krieger“-Bünden oder den Aktionen von Gruppen, die sich mit anderen Kulturregionen beschäftigen oder einfach dem Treffen guter Freunde. Manche der Teilnehmer sind äußerst aktiv im Vereinsleben oder der Organisation der „Week“ und deren Aktivitäten. Für andere ist die „Week“ ein bezahlbarer Familienurlaub , bei dem die „Lieben Kleinen“ frei und ohne Gefahren herumtollen können, man des Mittags im Teich baden gehen kann und am Abend noch kostenlos Kulturprogramm geboten wird.

 Bilder von der „Week“ 2002

 

Powwows in Deutschland haben ebenfalls schon eine lange Tradition. Zuerst wurden sie von in Deutschland stationierten indianischen Angehörigen der US-Streitkräfte nach dem 2. Weltkrieg im US-Sektor durchgeführt , fanden aber auch bei (west)deutschen „Hobby“-Indianern Anklang. Bis zur Wende gab es im Osten keine Powwows, da Kontakte in die westliche Welt nur sehr eingeschränkt möglich waren und man kaum an Informationen kam. Es gab lediglich die historischen Treffen in der warmen Jahreszeit. Das Ost-Winterpowwow wurde nach der Wende ins Leben gerufen und ist seitdem ein willkommener Anlaß gute „Week“-Freunde in der kalten Jahreszeit zu sehen.

Interesse geweckt? Nur wissen Sie nicht, wie dieses Hobby auch zu IHREM Hobby werden kann? Sie möchten Kontakte zu Hobby-Mitstreitern/ Menschen mit gleichem Interessensgebiet, wissen aber nicht wie?    à  Kein Problem: Drehen Sie sich einfach um. Sehen Sie den bunt bekleideten Menschen neben sich? Fragen Sie ihn doch einfach! Wenn er ihnen vielleicht auch nicht sofort einen Verein oder eine Interessengemeinschaft in ihrer Region nennen kann, so kennt er aber sicher jemanden, der jemanden kennt. Sollten Sie mal an einen nicht besonders freundlichen Menschen geraten, keine Angst, jeder hat mal einen schlechten Tag! Fragen Sie einfach den nächsten! Nicht alle Veranstaltungen in diesem Hobbybereich sind für jedermann zugänglich. Manchen Veranstaltungen sind geschlossene Gesellschaften, unter anderem aus Sicherheitsgründen und Gründen der Privatsphäre. ABER: Bei den meisten Vereinen gibt es einen Tag der offenen Tür, meist sogar mit einem kleinen Show- oder Rahmenprogramm, bei denen auch Gäste herzlich willkommen sind, schnuppern Sie doch mal rein!

Zum Weiterlesen/ Quellen:

Hungry Wolf, Adolf; Pow~Wow, Dancers and Craftworker’s Handbook, Canadian Capoose Press, 1999

Smithonian Institution; Native American Dance, Fulcrum Publishing, 1992

Krassemann et al., Powwow, Die magischen Trommeln des Lebens, Nymphenburger, 1996

Richter, Sabine, Das Powwow-Fest bei den Blackfoot- Ein Ausdruck indianischer Identität, Forschungsberichte, 1998

Boger, Jan; Western-Hobby Heute, Motor Buch Verlag Stuttgart; 1990

 

Außerdem habe ich viele Informationen von Vereins-Internetseiten und  „alten Hobby-Hasen“, bei denen ich mich sehr herzlich bedanken möchte.